Über meine Arbeit

 

1989 beginne ich mit meinem bis heute ununterbrochenen Projekt des täglichen "Schreibens".

Der Schreibprozess besteht aus einzelnen, zeichenartigen, sich nicht wiederholenden Setzungen.

Die Bewegungsspuren sind komplexe Linien einer sich ausdifferenzierenden Bewegungssphäre.

Lesen kann man das nicht, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn.


Die Zeichen dieser expansiven Matrix beschreiben nichts, das außerhalb ihrer eigenen Vibration,

Krümmung und Frequenzdichte existiert. Es ist nicht ihr Sinn, Anspruch und Auftrag, für etwas

"da draußen" zu stehen oder adäquat zu sein, ein Symbol, ein funktionales Skript, das

Informationen codiert.

 

In dem Moment, wo dem Schreiben dies aus dem Fokus genommen wird, implodiert die Schreibbewegung, und die Abwesenheit der Dinge

kehrt als eine verdichtete Gegenwart, als eine expandierende Intensität des Augenblicks in die Schrift selbst zurück. Die inhomogene Dynamik und unberechenbare Potentialität der Schreib-Bewegung selbst, um diese Realität und um diesen Möglichkeits- und Beziehungsraum geht es.

 

Der Prozess der Setzungen ist von 1989-2009 an der Horizontalen, einem Zeilenrhythmus, ausgerichtet. Da die Zeilenhöhe selten mehr

al szwei Zentimeter beträgt, werden bei den großformatigen Arbeiten lange Schreibprozesse erfasst. Das Extrem ist eine 10 m lange und 2 m breite Leinwandrolle, die über ein Jahr tägliches Schreiben abbildet (siehe Installation Dommuseum Frankfurt, 2008).

Bei einer 20 m hohen und über 6 m breiten Tuchbahn, die die gesamte Raumhöhe einer Foyerarchitektur durchspannte, erschloss sich der

Zeit-Prozess auf eine ungewöhnliche Art, wenn man im gläsernen Aufzug an der Arbeit entlang fuhr (siehe Installation SWR, 2004).

 

In 2010 beginnt eine neue Phase mit Plakatschreibfedern, bei der die Setzungen grösser und flächiger sind. Deren Binnenstrukturen werden durch Geschwindigkeitsgefälle und Druckverläufe bestimmt. Der Prozess orientiert sich an den Bewegungsmomenten, die die stärkste

Beziehung zum Raum aufnehmen. Gekrümmte Bewegungsachsen lösen den Rhythmus der Reihungen ab. Die inwendigen Wechsel und die Rotation im Zeichen formt im Aussen eine Matrix aus verbundenen Intervallen, Strömungen und Richtungswechseln. Die Differenzierung,

die durch diese Erweiterung möglich ist, artikuliert ein Terrain flüssiger Flüchtigkeit.



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